Guido Krawinkel, “Prafriplo Klewapufzilü!” - Brennans Morgenstern-Vertonung, «CANTATE», Deutschland, Juli 2000


Prafriplo Klewapufzilü!

Nein, es ist keinesfalls so, daß dem Autor dieses Artikels keine bessere Überschrift eingefallen ist! Auch wenn selbige auf den ersten Blick nicht viel Sinn zu machen scheint, ist genau das ihr Sinn. Es geht jedenfalls um etwas, das zunächst vielleicht als die Abwesenheit von Sinn anmuten könnte, sich bei einem näheren Hinschauen jedoch oft genug als erstaunlich tief-Sinn-ig erweist.

Wie dem auch sein, Unsinn (in welcher Form und Bedeutung auch immer) stellt für Komponisten immer eine besondere Herausforderung dar. Gerade das Spiel mit der scheinbar so heiteren und leichten Kunst des Unsinns erweist sich nicht selten als bierernster Lackmustest für die künstlerische Inspiration, ist doch nichts schwerer, als etwas Unsinnigem eine sinnvolle Form zu geben. Als Paradebeispiel hierfür gilt gemeinhin Christian Morgenstern, der mit seinen Galgenliedern vor absurdem Sprachwitz und doppelbödiger Tiefsinnigkeit nur so strotzende Musterbeispiele geschaffen hat. Kein Wunder also, daß diese poetischen Kleinodien viele Komponisten inspiriert haben, z.B. den 1954 geborenen Schweizer John Wolf Brennan..

Mit seinem 16 Stücke umfassenden geistreichen Zyklus »Morgenstern hat Gold im Mund« ist John Wolf Brennan eine gewitzte Umsetzung des Morgensternschen Sprachhumors gelungen. Als Beispiel seien hier nur der altbekannte Schemata herrlich subversiv parodierende »Un-Terho-Sench-Oral« (nein, nein, das ist nichts Schlüpfriges, lesen Sie’s mal »richtig«!) oder die graphisch-szenische Umsetzung von »Fisches Nachtgesang« genannt. Jedes der zum Teil recht schweren, aber ungemein reizvollen Stücke zeichnet sich durch einen genuinen kompositorischen Einfall aus, der ebenso technisch versiert wie musikalisch pointiert umgesetzt ist. Sehr einfallsreich ist das in poetischer Form verfaßte Vorwort, als sehr lobenswert sind außerdem einstudierungs- und aufführungspraktische Hinweise zu nennen, die verraten, daß der Komponist, der überwiegend als Jazzmusiker bekannt ist, auch für Chöre zu schreiben versteht.

Guido Krawinkel

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