Ehe man(n) sich‘s versieht...
Fassen wir den (von der Niederkunft her) mittelalterlichen Begriff “Ehe” einmal
ganz weit und subsummieren darunter sämtliche Formen des häuslichen
Zusammenseins, von der alterna(t)iven “Zweierkiste” über
alle konku-bienenfleissigen Spielarten der Homo- und Heterophilie
bis zu den Patchworkfamilien und LAP-tops (Lebensabschnittspartnerschaften).
Sprechen wir also frisch von der Leber weg über das wichtigste
Lebensthema: Zusammen.L(i)EBEN. ist oft unverhofft. SCHWER.
Es geht ans Lebendige, also um die ständige (anständig-inständige)
Krise. Ein Blick in die Etymologie erinnert uns daran, dass “Krisis” bei
den antiken Griechen ursprünglich “Entscheidung, entscheidende
Wendung” bedeutete, dass ihr infolgedessen durchaus auch ein
heilendes Potenzial innewohnt. Diese Heilkräfte gehen aber meist
dann am ehesten vergessen, wenn es “kriselt”. Und hinter
der Entscheidung lauert allzschnell die Scheidung.
Und an was entzünden sich denn die grossen Ehekrisen? Auch
hier ist Bescheidenheit angebracht. In den seltensten Fällen
sind es nämlich die grossen ethischen, weltanschaulichen, religiösen
oder philosophischen Fragen, sondern es geht um die Sensation des
Alltags, um (ichhabsdochschonhundertMalgesagt!) Hemden, die mann
achtlos auf den Schlafzimmerstuhl wirft, um (schon wieder!) offene
Klobrillen, ums Sitzpinkeln, um (nicht schon wieder!) Zugluft, Türschliesslärmpegel,
Geschirrwaschmaschineneinräumlogik, Zahnpastaausdrucksystemunlogik,
Güselkübelkompression, Espressomaschinendepression, unleserliche
Einkaufszettel-
Kommissionen, sortenreines Rohstoffentsorgen, Schulturnsackversorgen — überhaupt:
alles ver-SORGEN! — um die Dosierung der Wassermenge des Zierpflanzenbegiessens
und des Lenkradausschlags beim Vorwärtsparkieren, um feuchte
Schuhabdrucke im Gang, überhängendes Zeitungsbergsteigen
auf der Treppe und kreatives Autoschlüsselverlegen im Garten,
ganz nach dem notorisch omnipräsenten Motto: “Mann weiss
es immer besser, als frau denkt.”
Angesichts dieser schwelenden Dauerkrisen ist guter Rat teuer.
Da ist es tröstlich zu wissen, dass die “Hei-Rat” bereits
in althochdeutschen Zeiten mit dem “Haus-Rat” verwandt
ist...
John
Wolf Brennan