KlangGang-Gehdanken
Gangbar. Gehräusche. Kunst ergehen statt erfahren. Die rasende
Wiederentdeckung der Langsamkeit. Das KonZEN-trum der eigenen Wahrnehmung.
Gangway. Einen Pfad finden. Eine hohle Gasse bauen. Tells Apfel
fällt nicht weit. Vom Stamm. Vom Gehen und vom Weg, der oft
genug haarscharf am Ziel vorbeiführt. Der Weg von Fall Zufall.
Synopsis der Synkopen. Im Bannkreis der Bilder. Topographische Kantilenen.
Rollende Steine. Im Fluss. Stete Tropfsteinhöhlen. Alles fliesst.
Vom Rinnsal zum Rheinfall, von der Gletschermilch zum Reussdelta.
Sagen und Ansagen, grosse und kleine Mythen. Alpenpanorama-Partituren.
Sendboote der Urschweiz. Katharsis der Kaskaden und Katarakte. Wirbelstromschnellen.
Freie Sicht aufs Mittelmeer. Dampfschiffparadenhornwett - Heulen,
zum Schillerstein-Erweichen. Tanzende Kreise. Die Quadratur der Quintenzirkel.
Triangulationspunkte. Wie soll ich beginnen, wenn ich nicht aufhören
kann?
Im Rausch der Geräusche. Das Spiegelei des Kolumbus. Akustische
Stenogramme. Rasender Stillstand. Lautlose Rasanz. Orte der Geometrie.
Vektoren und Trajektoren. Equilibrio precario — in stabil/labil/prekärem
Gleichgewicht. Statik und Dynamik. Agrikulturelle Magerwiesen. Seiltanz
zwischen Dublin und Muotathal. Ohne Netz, Ton-Leitern und doppelte
Grundtonböden.
Batik und Akro-Batik. Die Epik des verwehten Moments. Das Drama
der kontrollierten Dauer. Die Lyrik der freien Gestaltung. Die Komposition
des Augenblicks: ein plastisch-elastisches Raum-Zeit-Continuum. Perpetuum
immobile. Besser zwei als Einstein. Klanggang und gäbe.
A la recherche du son perdu - mit Vogelstimmen, SGV-Werftgehämmer,
post:modernen Päckliförderbändern, Stationsvorsteher-Grüssen,
Sagen und Ansagen, grosse und kleine Mythen des Alltags, Treppengetrampel,
baby-lonischen Sprachver(w)irrungen, Glockenspielen, Möwenschreien,
recycelten Spaziergängen und Wassertropfenmuster.
Ein Weg der zunehmenden Verdichtung, der umgekehrten Fibonacci-Reihe
entlang: 144-89-55-34-21-13-8-5-3-2-1. 8 kleine Leisesprecher — verteilt
in 5 der 21 Räume. Elevator Music der radikal vertikalen
Art. Eine Klanginstallation, welche als cantus firmus gleichzeitig
statisch (tragend) und dynamisch (fortbewegend) wirkt, lockt, Anstösse
gibt. Auditiv-kybernetisch gesteuert, in der Nouvel‘schen machine à émouvoir.
Akzeleration und Antizipation, Entschleunigung und Erinnerung. Das
Ende der blossen Vermutung.
Klangband A läuft 13 Minuten und 13 Sekunden; Klangband B 21
Minuten und 21 Sekunden; Klangband C 34 Minuten und 34 Sekunden.
Zum gleichen Zeit.Punkt gestartet und 24 Stunden pro Tag gespielt,
treffen sich die Anfangstöne wieder in der gleichen Konstellation
nach genau 6 Tagen, 18 Stunden, 33 Minuten und 51,96 Sekunden, als
klangzeitliches kgV = kleinstes gemeinsames Vielfaches.
«Klanggang» läuft täglich vom 15.März
bis 13.Juli 2003 im Kunstmuseum Luzern: Dienstag bis Sonntag 10 bis
17 Uhr,
Mittwoch und Donnerstag 10 bis 20 Uhr.
John
Wolf Brennan