Publikationen
von 2003


 
KlangGang-Gehdanken

Gangbar. Gehräusche. Kunst ergehen statt erfahren. Die rasende Wiederentdeckung der Langsamkeit. Das KonZEN-trum der eigenen Wahrnehmung.

Gangway. Einen Pfad finden. Eine hohle Gasse bauen. Tells Apfel fällt nicht weit. Vom Stamm. Vom Gehen und vom Weg, der oft genug haarscharf am Ziel vorbeiführt. Der Weg von Fall Zufall. Synopsis der Synkopen. Im Bannkreis der Bilder. Topographische Kantilenen. Rollende Steine. Im Fluss. Stete Tropfsteinhöhlen. Alles fliesst. Vom Rinnsal zum Rheinfall, von der Gletschermilch zum Reussdelta. Sagen und Ansagen, grosse und kleine Mythen. Alpenpanorama-Partituren. Sendboote der Urschweiz. Katharsis der Kaskaden und Katarakte. Wirbelstromschnellen. Freie Sicht aufs Mittelmeer. Dampfschiffparadenhornwett - Heulen, zum Schillerstein-Erweichen. Tanzende Kreise. Die Quadratur der Quintenzirkel. Triangulationspunkte. Wie soll ich beginnen, wenn ich nicht aufhören kann?

Im Rausch der Geräusche. Das Spiegelei des Kolumbus. Akustische Stenogramme. Rasender Stillstand. Lautlose Rasanz. Orte der Geometrie. Vektoren und Trajektoren. Equilibrio precario — in stabil/labil/prekärem Gleichgewicht. Statik und Dynamik. Agrikulturelle Magerwiesen. Seiltanz zwischen Dublin und Muotathal. Ohne Netz, Ton-Leitern und doppelte Grundtonböden.

Batik und Akro-Batik. Die Epik des verwehten Moments. Das Drama der kontrollierten Dauer. Die Lyrik der freien Gestaltung. Die Komposition des Augenblicks: ein plastisch-elastisches Raum-Zeit-Continuum. Perpetuum immobile. Besser zwei als Einstein. Klanggang und gäbe.

A la recherche du son perdu - mit Vogelstimmen, SGV-Werftgehämmer, post:modernen Päckliförderbändern, Stationsvorsteher-Grüssen, Sagen und Ansagen, grosse und kleine Mythen des Alltags, Treppengetrampel, baby-lonischen Sprachver(w)irrungen, Glockenspielen, Möwenschreien, recycelten Spaziergängen und Wassertropfenmuster.

Ein Weg der zunehmenden Verdichtung, der umgekehrten Fibonacci-Reihe entlang: 144-89-55-34-21-13-8-5-3-2-1. 8 kleine Leisesprecher — verteilt in 5 der 21 Räume. Elevator Music der radikal vertikalen Art. Eine Klanginstallation, welche als cantus firmus gleichzeitig statisch (tragend) und dynamisch (fortbewegend) wirkt, lockt, Anstösse gibt. Auditiv-kybernetisch gesteuert, in der Nouvel‘schen machine à émouvoir. Akzeleration und Antizipation, Entschleunigung und Erinnerung. Das Ende der blossen Vermutung.

Klangband A läuft 13 Minuten und 13 Sekunden; Klangband B 21 Minuten und 21 Sekunden; Klangband C 34 Minuten und 34 Sekunden. Zum gleichen Zeit.Punkt gestartet und 24 Stunden pro Tag gespielt, treffen sich die Anfangstöne wieder in der gleichen Konstellation nach genau 6 Tagen, 18 Stunden, 33 Minuten und 51,96 Sekunden, als klangzeitliches kgV = kleinstes gemeinsames Vielfaches.

«Klanggang» läuft täglich vom 15.März bis 13.Juli 2003 im Kunstmuseum Luzern: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr,
Mittwoch und Donnerstag 10 bis 20 Uhr.


John Wolf Brennan

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