Publikationen
von 2005


 
Ehemannzipiert! Kapiert?

(Vorbemerkung: Letztes Mal waren es die Gedanken einer Hausfrau, die an dieser Stelle standen. Jetzt gibts weder Adventspardon noch Weihnachtsbonus – Hausmänner: jetzt sind WIR dran!)

Na also. Wir waren ja vorgewarnt. Ehemann sich‘s versieht, ist Mann dran. Hoppla, wir l(i)eben noch. Wir maximal coolen, mastkuh-linen Macker, die wir bilaterale Tiefschläge wie die Einführung des Frauenstimmrechts auf konjugaler und kommunaler Ebene, die Verordnung zur sofortigen Aufhebung der dreckigen Socken vom Boden, den kondommoden Montage-Schock, das Permafrostschutzmittel, die ganzjährige Weihnachtsbeleuchtung im Treppenhaus, die Verbannung von Gummistiefel und Fussbällen aus dem Wohnzimmer, kreatief alleinerziehende Möbelumstellungsaktionen, wöchentlich wechselnde Diätpläne, die fünf Tibeter und die sieben Todsünden der Feigheit, Bananenrohkost- und Orangenhautvorträge, allerlei zyklische Unpässlichkeiten der immer besseren Hälft,permanent delirierende Güselsackstopfstreitigkeiten, episch epilierende Faltencremesparpackungen, feministische Kinderhausdemozüge, esoterische Hemisphärenklänge, Schlabberhosenlook, Sandalenvetos, die zehn Sitzpinkelge- sowie die neuneinhalb Schmollwinkelverbote und andere Kollateralschäden klaglos überlebt haben – wir, die Generation ohne Golf (GoG), aber mit beschränktem Handicap (GmbH).

Wir Mannen als Tyrannen? Nichts als Pannen über Pannen! Eher rannen wir von dannen, sannen fortan nach ab-, aus- und entspannen in Schaumbadewannen, mit glühenden Weinkannen und brutzelnden Bratpfannen. Von der Küche – wo die Mise en place einmal mehr an der mangelnden strategischen Vorbereitung, das heisst am fehlenden Einkaufszettel, scheitert – durchs nun (un)endlich staubzusaugende Treppenhaus in die Waschküche. Wo ist der Schlüssel? Gopfertori wieder am falschen Ort, und soll ich die Socken wirklich mit 90 Grad waschen? Der Servicemonteur hat doch was gesagt wegen den Bakterien, die das Abflussrohr verstinken. Mein Gott, unsere Teenager* haben aber auch einen unendlich grossen Wäscheverbrauch, und die WC-Rolle müsste dringend DRING! Diesmal ist es das Natel der zweitjüngsten DING DONG! die Pöstlerin bringt einen eingeschriebenen DRING! schon wieder das blöde Telefon, falsch verbunden, nichts für ungut KLINGELKLINGEL! die eine Tochter hat das Turnzeug vergessen HILFE! das Spaghettiwasser schwappt über PAPA! Die Kleine fordert ihren Sirup, und zwar im - NEIN nicht im ROTEN, im BLAUEN Globi-Glas, aber SUBITO. Uff!

Hand aufs Herz – wie hat Mann‘s mit dem Kochen? Nach Jamie Oliver oder nach den fünf chinesischen Elementen? Wieder mal Erdäpfelstock aus dem Päckli? Fast oder richtiger Food? Nasi Goreng oder Kebab? Oder lieber rustikal schlechtbürgerlich? In einem kühn vorausblickenden Akt autonom nachvollziehenden Gehorsams haben wir Mannen doch den Spagat zwischen Schlappschwanz und Machomanager gar nicht so schlecht hingekriegt, oder? Wenn jetzt auch noch die Spaghetti al dente gelingen...

John Wolf Brennan

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