2+1 = 31
Eine nicht ganz [kl]österliche Ostergeschichte
Hilfe, die Schweizer sterben aus! Unsere Geburtenrate sinkt in den
Keller, bald weiss niemand mehr, wie die überalterte Gesellschaft
ihre AHV-Lasten tragen soll. Doch nicht überall ist es um
den Nachwuchs so traurig bestellt – schliesslich ist bald
Ostern. 2 + 1 = 31. Zauberei? Fensterplatz im Mathi-Unterricht?
Ein Fall von akuter Diskalkulie? Nein, nur eine furchtbar fruchtbare
Leihvaterschaft. Aber schön der Reihe nach: sich des lautstark
und ausdrücklich vorgebrachten Wunsches unserer drei Töchter
erbarmend, hat Nachbar R. im letzten Frühling zwecks Nachwuchsförderung
ein Prachtsexemplar von einem Rambo-Rammler vorbeigebracht. Die
Girls tauften ihn Leo, den Löwen. Er ging sogleich ans Werk
und hat Fläckli – das eine unserer beiden Weibchen – in
Windeseile begattet. Während der einwöchigen, wohlverdienten
Erholungsphase nach dieser anstrengenden Zeugung hat Leo dann aber
auch noch Schnüfi, das zweite Weibchen, genetisch beglückt.
Nach 4 Wochen warf Schnüfi 5 Junge (wovon eines starb, also
noch 4), nach einer weiteren Woche Fläckli weitere 5. Da waren’s
11 – eine Steigerung der Hasenpopulation von mehr als 500%.
Der Nachbar, Altersheimleiter und Hobbyzüchter mit jahrelanger
Zuchterfahrung, kam vorbei, um die Nachkommenschaft gewissenhaft
auf das Geschlecht hin zu bestimmen. So aufgeteilt und sauber in
Käfigen voneinander getrennt, wuchsen die jungen Kaninchen zu
prächtigen Männdli und Wybli heran. Leider haben wir erst
vor 6 Wochen entdeckt, dass einer der ER – der angeblich maskuline
Pünktli – in Wirklichkeit eine SIE ist. Ein Irrtum mit
Folgen. Vor 5 Wochen warf Pünktli 4 Junge, was wir aber erst
10 Minuten vor der Abreise in die Skiferien nach Laax bemerkten.
Pünktli war Mitbewohner von Bif, sozusagen im gleichen Mehrfamilienkäfig,
und Bif ist, kurz und bündig, maskulin. Da waren’s 15.
Letzte Woche haben sich die Ereignisse überschlagen. Am Dienstag
wurde Fläckli zum zweiten Mal glückliche Mutter von 5 herzigen
und gesunden jungen Häsli, was das Total auf 20 erhöhte.
Diesen Vorsprung liess Schnüfi aber nicht lange auf sich sitzen,
und so doppelte sie am Donnerstag mit einer weiteren, 4köpfigen
Nachkommenschaft nach. 24 ist also immerhin eine Verzwölffachung
der ursprünglichen Zahl – wahrlich eine inflationäre
Proliferation.
Am Samstag nun hat Pünktli sage und schreibe weitere 7 Junge
geworfen. Hasen, so scheint es, sind kreative Mathematiker, und
wenn wir richtig nachgezählt haben, sind es jetzt 31. In Worten:
EINUNDDREISSIG! Man stelle sich vor, wenn der Dow Jones oder der
SMI über Nacht um 1’550% steigen würde: ein umgekehrter
globaler Börsen-Crash! Hasenzucht ist nichts für Angsthasen – die
Folgen können fruchtbar sein.
John
Wolf Brennan