Sisyphus als bilaterale Haushaltshilfe
(Vorbemerkung: diesmal sind es die Gedanken einer Hausfrau. Keine
Angst, Haus-Männer: das nächste Mal sind wir dran!)
Wochenstart. Der ganz normale Wahnsinn des alltäglichen Wohnunsinns.
Nichts besonderes. Nur, dass mir zur Zeit wieder mal die Decke auf
den Kopf fällt. Ich versuche, die grauen Gedanken eben gerade
in der Alltagsarbeit loszuwerden. Gleichzeitig frage ich mich, ob
sich da die Katze nicht in den Schwanz beisst. MANN sagt, das komme
eben vor, sei ganz normal, nicht der Rede wert. Und doch rede ich
davon. Vielleicht ist das MEINE Art, diese hartnäckigen Schatten
loszuwerden. Ich schreibe sie mir einfach von der Seele, zu Mani
Matters Leidliedzeilen “Warum syt dir so truurig? Nei, dir
wüsset ke Grund. Vilicht, wenn der e Grund hättet wäret
der weniger truurig... mänge, wenn ds Läben ihm wehtuet,
bsinnt sech derdür wider dra.”rum syt dir so tHeit
Ganze Bibliotheken sind gefüllt worden, unendlich lange Redeflüsse
geflossen über die Sinnsuche, die kleinen hartnäckigen
Herbstdepressionen in den Niederungen des Alltags, die latente patente
Unzufriedenheit jener, die eigentlich keinen Grund dazu haben, weil
alles durchaus eurokompatibel innerhalb der NORM liegt: normale Langeweile,
normale Frustrationen in der Arbeitswelt, normale Unstimmigkeiten
unter Familienmitgliedern, normal neblig-feuchtkaltes Herbstwetter.
Die Normalität ist es, die mir auf den Kopf fällt. MANN
hat sich ganz gut eingelebt in dieser Welt, und MANN wüsste
auch, wie man ihm begegnen muss, dem Normalitätssyndrom: das
fängt bei Bewegung in frischer Luft an und hört bei einer
Sitzung beim Psychoanalytiker auf. Dazwischen liegen Wellness-Oasen,
die Tafel Lieblingsschokolade, eine Shopping-Tour in die Stadt, eine
Tasse Kräutertee bei der besten Freundin.
Den Alltag (H)AUSHALTEN: ganz schlicht, weil das Sackgeld nicht
reicht, weder für die Wellness-Oase noch für die Shopping-Tour,
schon gar nicht für den Psychoanalytiker, weil sich keine anständige
Schokolade im Haus finden lässt und auch die Freundin vor lauter
Alltagstrott keine Zeit hat für den Kräutertee. Halt – was
mir noch bleibt ist der Spaziergang an der frischen Luft. Aber zuerst
muss ich den alltäglichen Wäscheberg runterbügeln,
sonst ist der morgen noch viel grösser – und die Geschichte
fängt wieder von vorne an. “Man muss sich Sisyphus als
einen glücklichen Menschen vorstellen“, meinte Albert
Camus, den ich hiermit zum Heiligen der Hausarbeit küre. Gerade
angesichts der offensichtlichen Absurdität des Alltagtrotts
den Mut nicht verlieren und den Stein immer wieder den bilateralen
Berg hinaufrollen, das bringt... selten genug Rosen, nicht immer
Komplimente und schon gar keine Wellness-Oase, sondern ganz einfach:
kommt STEIN, kommt ZEIT, kommt (Hei-& Haus-)RAT.
John
Wolf Brennan