“E Männerchor us mir alei,
es cheibe gspässigs Gfüel,
es metaphysischs Grusle het mi
packt im Coiffeurgstüel...”
What‘ s the Matter?
Zürich hat seinen Ulrich Zwingli, Genf seinen Jean Calvin.
Unsere kleine Bundeshauptstadt hat es vorgezogen, die Reformation
(wie sovieles) zu verschlafen und stattdessen genialen Geistern wie
Albert Einstein, Paul Klee, Meret Oppenheim, Robert Walser und Walter
Benjamin eine temporäre Heimat zu bieten. Darunter war auch
ein Rechtsanwalt, der als Berner Troubadour auf den Spuren von George
Brassens zum grössten Reformator des Mundartliedes wurde, zum
schweizerischen
Bob Dylan.
Hans Peter Matter wuchs in Bern auf, wo er später an der Universität
Rechtswissenschaft studierte. Im Alter von siebzehn Jahren begann
er, erste berndeutsche Chansons zu schreiben und zur Gitarre vorzutragen.
Er trat damit am Radio und in zahlreichen Kleintheatern der Schweiz
auf. Von Anfang an war er ein unglaublich talentierter “Värslischmied“,
arbeitete aber auch wie besessen an seinen Reimen, die zur Folklore
werden sollten (“Heydi, mier wey di beydi“; “Allah – gfalla – fall
la“). Hauptberuflich war er Rechtskonsulent des Gemeinderates
der Stadt Bern. Diesen Beruf gab er auch dann nicht auf, als er von
der Musik alleine wohl hätte leben können. An einem Novembertag
1972 kam er auf der Heimfahrt von einem Konzert in Rapperswil bei
einem Verkehrsunfall im Schneetreiben ums Leben, mitten in der Arbeit
zu seinem Theaterstück "Kriminalgschicht". Zu seinen
bekanntesten Chansons gehören "Bim Coiffeur", "Arabisch", "Ds
Portmonee", “Dynamit“ und
"
Ds Zündhölzli“. Ende der 80er Jahre hat ihn die Berner
Mundartrockszene (Züri West & Co.) wiederentdeckt, worauf
1992 die CD “Matterrock“ mit
Neuaufnahmen seiner Chansons durch verschiedene Schweizer Musiker
erschien.
Herausragende Cover-Versionen gelangen Stephan Eicher mit “Hemmige“,
dessen Refrain Tausende von französischen Fans im Pariser “Olympia“ laut
uf bärntütsch (!) mitsangen – ein Kunststück,
das ihm wohl keiner so schnell nachmacht, Dodo Hug mit dem “Lied
vo de Bahnhöf“ und Polo Hofer mit “Warum syt dir
so truurig?”. In die illustre Reihe der Matterbesteiger reiht
sich nun auch “Kassensturz”-Redaktor Ueli Schmezer, der
den preziosen Miniaturen mit hellem Timbre, Swinggitarren und erdigem
Kontrabass à la “Hot Club de France” gehörig
einzuheizen weiss. So fliegt “Ds Nünitram” auf luftigen “Tangofüssen
davon...Aber wie bei Bob Dylan und den Beatles: keine noch so raffinierte
Bearbeitung erreicht die lakonische Schärfe, die melancholische
Poesie und die zeitlose Eleganz des Originals. Mani Matters Chansons
verbinden leise Ironie mit derbem Witz, aber auch durchaus mit politischen
und sozialen Forderungen. Sprengsätze, verpackt in einschmeichelnde
Melodien, die zum Volksliedgut geworden sind – that‘s
the matter!
John
Wolf Brennan