Publikationen
von 2006


 
Simsalabim – Hokuspokus – Abrakadabra!

Zaubersprüche gehören zu den ältesten Zeugnissen der Literatur. In der deutschen beispielsweise sind die "Merseburger Zaubersprüche" aus dem 8. Jahrhundert und die "Höllenzwänge" des Doktor Faustus bekannt. Einige dieser Beschwörungsformeln wurden zu geflügelten Worten. Simsalabim geht auf das islamische "Bismillah rahman i rahim" (Beim Namen Gottes, des Allbarmherzigen) zurück Ironie der Geschichte: Muslime wurden im Spätmittelalter wegen ihres  technologisch-wissenschaftlichen Fortschritts der islamisch geprägten gegenüber der europäischen Welt als "Zauberer" beschrieben.

Die Herkunft von Hokuspokus leitet sich aus den Einsetzungsworten der christlichen Liturgie "Hoc est corpus meum" ("Das ist mein Leib") ab. Vermutlich haben die Gläubigen das Latein des Priesters nicht richtig verstanden. So entstand die Verballhornung "Jetzt macht er wieder seinen Hokuspokus!" Sator arepo tenet opera rotas ist ein Palindrom aus dem antiken Rom. untereinander geschrieben bildet es ein Magisches Quadrat Abrakadabra erinnert an Abraxas, ist hebräischen oder persischen Ursprungs und bereits in der Spätantike ein geläufiges Zauberwort, das  Unglück und Krankheit abwehren und gute Geister herbeirufen soll. Es kann sich einmal um die verballhornte hebräische Form der Wörter "Segnung" (bracha) und "heiliges Wort" (dabar) handeln. Eine weitere Erklärung ist das Aramäische Wort “Avrah KaDabra”, was so viel wie "Ich werde erschaffen, während ich spreche" bedeutet. Einige Bibel-Exegeten sehen darin eine Andeutung der Babylonischen Sprachverwirrung. Abrakadabra kann aber auch von dem arabischen Zauber "abreq ad habra" abgeleitet sein, was angeblich "den Donner, der tötet" beschwört. In übertragener Bedeutung bezeichnet man geheimnisvoll klingendes, sinnloses Geschwätz als Abrakadabra. Dies mag mit einem persischen Kult in Verbindung stehen, der die Verehrung von 365 Göttern vorschrieb. Man musste alle ihre Namen fehlerlos aussprechen, um deren Hilfe zu erlangen. Beging man einen Fehler, so hatte man von vorne zu beginnen. Um die Aufgabe zu erleichtern, entwarfen Priester ein Amulett in Dreiecksform, bei dem die Namen durch griechische Buchstaben ersetzt wurden. Im Gnostizismus wurde dieses Symbol verwendet, um drohendes Unheil abzuwenden, insbesondere um Krankheiten zu vertreiben. Hierbei deutete es als Gravur  das schrittweise Zurückweichen des Bösen an. In der ersten Zeile musste das Wort vollständig niedergeschrieben werden. Danach wurde jeweils ein Buchstabe ausgelassen, bis zuletzt nur noch einer übrigblieb. Man glaubte, so wie die Inschrift mit jeder Zeile einen Buchstaben verliert, so schwindet auch die Krankheit.

John Wolf Brennan

top | back


 

CH-6353 Weggis